Vintage-Poster erklärt: Photochrom, Jugendstil und alte Stadtansichten

Vintage-Poster erklärt: Photochrom, Jugendstil und alte Stadtansichten – Art Bros Magazin

„Vintage“ bedeutet bei Postern meist: Das Motiv ist alt, der Druck ist neu. Gemeint sind Bilder, die vor gut hundert oder mehreren hundert Jahren entstanden sind – farbige Photochrome um 1900, Werbeplakate der Belle Époque, radierte Stadtansichten und handkolorierte Pflanzentafeln. Ihre Farben, Linien und Schriften tragen die Spuren der Drucktechnik ihrer Zeit. Hier erfährst du, was hinter den wichtigsten Gattungen steckt und wie du sie in moderne Räume holst.

Was macht ein Poster „vintage“?

Der Begriff ist nicht geschützt und wird unterschiedlich verwendet. Drei Bedeutungen begegnen dir häufig:

  • Originale: tatsächlich alte Drucke, etwa ein Plakat aus den 1890er-Jahren. Sie sind Sammlerstücke, selten und empfindlich.
  • Reproduktionen historischer Werke: neue Drucke nach alten Vorlagen, deren Urheberrecht abgelaufen ist. Das findest du in unserer Kollektion Vintage Poster: Wir drucken nach gemeinfreien Originalen aus Museen, Bibliotheken und Archiven – matt und erst nach deinem Kauf, in Frankfurt am Main.
  • Retro-Design: neue Motive, die nur alt aussehen sollen, oft mit künstlicher Patina oder aufgedruckten Knicken.

Erkennbar sind historische Motive an ihrer Technik: an den flächigen Farben der Lithografie, den feinen Linien von Radierung und Kupferstich oder den leicht unregelmäßigen Farben handkolorierter Tafeln. Diese Eigenheiten sind kein Makel, sondern der eigentliche Reiz.

Photochrome: Farbbilder vor der Farbfotografie

Ein Photochrom sieht aus wie ein frühes Farbfoto, ist aber ein Druck. Das Verfahren wurde in den 1880er-Jahren in Zürich von Hans Jakob Schmid entwickelt. Ausgangspunkt war ein Schwarz-Weiß-Negativ. Es wurde auf mehrere lichtempfindlich beschichtete Lithografiesteine übertragen, für jeden Farbton ein eigener Stein. Nacheinander gedruckt, ergaben sie ein farbiges Bild – Jahrzehnte bevor Farbfotografie alltäglich wurde.

Um 1900 waren Photochrome als Reiseandenken und Ansichten ferner Städte gefragt. In den USA sicherte sich die Detroit Photographic Company, später Detroit Publishing Co., Ende der 1890er-Jahre die Rechte an dem Verfahren. Die Photochrome in unserer Kollektion sind diesem Verlag zugeordnet, auch die mit europäischen Motiven.

Typisch sind weiche, leicht unwirkliche Farben: pastellige Himmel, sattes Grün, warmes Mauerwerk. In Vintage Photochrom Poster findest du unter anderem „Der Eiffelturm in Paris“, den „Canal Grande mit der Rialtobrücke“, „Burg Eltz im Moseltal“ und „Heidelberg vom Philosophenweg“. Besonders stimmungsvoll sind Nachtmotive wie „Köln im Mondschein“.

Plakate der Belle Époque und des Jugendstils

Im Paris der 1880er- und 1890er-Jahre wurde das Plakat zur Kunstform. Die Farblithografie ermöglichte große, leuchtende Drucke in hoher Auflage, und ein Pressegesetz von 1881 erleichterte das Plakatieren erheblich. Varietés, Theater, Eisbahnen und Markenhersteller warben auf den Straßen mit Bildern, die man im Vorbeigehen verstehen sollte. Beliebte Plakate erschienen schon damals verkleinert für Sammler, etwa in der Reihe „Les Maîtres de l’Affiche“ (1895–1900).

Jules Chéret

Jules Chéret (1836–1932) gilt als einer der Väter des modernen Farbplakats. Seine beschwingten Frauenfiguren wurden als „Chérettes“ bekannt. Bei uns findest du „Olympia – Anciennes Montagnes Russes“, „Palais de Glace, Champs-Élysées“ und „Saxoléine – Pétrole de Sûreté“ – jeweils mit Chérets typisch leuchtenden Farben und einer Schrift, die schwungvoll ins Bild eingebunden ist.

Henri de Toulouse-Lautrec

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) brachte flache Farbflächen und kühne Silhouetten aufs Plakat – angeregt auch vom japanischen Farbholzschnitt. Sein „May Milton“ von 1895 zeigt die englische Tänzerin im weiten weißen Kleid vor tiefblauem Grund.

Alfons Mucha

Alfons Mucha (1860–1939) wurde mit seinen Theaterplakaten für die Schauspielerin Sarah Bernhardt berühmt, die er ab Mitte der 1890er-Jahre entwarf. Schmales Hochformat, ornamentale Rahmen, fließende Haare und Gewänder: Für viele ist sein Stil der Inbegriff des Jugendstils. Im Shop findest du „Lorenzaccio“ mit Bernhardt in der Titelrolle, die Buchillustration „Ilsée, Prinzessin von Tripolis“ und ein Blatt aus den „Documents Décoratifs“, Muchas Vorlagenwerk für Gestalter.

Dazu kommt Théophile Alexandre Steinlen (1859–1923), in Lausanne geboren und auf dem Montmartre zu Hause. Er ist bis heute für seine Katzen bekannt – auch auf seinem Plakat für die Compagnie Française des Chocolats et des Thés schaut eine schwarze Katze neugierig auf eine Untertasse.

Zur Einordnung: „Jugendstil“ ist der deutsche Name der Bewegung, die in Frankreich „Art nouveau“ heißt. Er geht auf die Münchner Zeitschrift „Jugend“ zurück, die ab 1896 erschien. Nicht jedes Belle-Époque-Plakat ist im engeren Sinn Jugendstil: Mucha gilt vielen als dessen Inbegriff, die Plakate von Chéret und Toulouse-Lautrec werden eher allgemein der Plakatkunst ihrer Zeit zugerechnet. Die Plakate findest du gesammelt unter Vintage Plakate, die ornamentalen Blätter unter Jugendstil Poster – dort auch Ernst Haeckels Quallen und Kolibris, deren Formen Gestalter um 1900 inspiriert haben.

Alte Stadtansichten: Piranesis Rom

Lange vor der Fotografie waren gestochene und radierte Ansichten das Bild, das Reisende von einer Stadt mit nach Hause nahmen. Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) arbeitete von etwa 1748 bis zu seinem Tod an den „Vedute di Roma“, einer Folge von rund 135 Radierungen. Gekauft wurden sie vor allem von Reisenden auf der Grand Tour, der Bildungsreise wohlhabender junger Europäer nach Italien. Piranesi zeigte die antiken Bauten gern gewaltiger, als sie vor Ort wirkten – mit tiefen Schatten und winzigen Figuren, die die Architektur noch größer erscheinen lassen.

Unter Piranesi Poster findest du das Kolosseum aus der Vogelschau, die Tiberinsel, den Titusbogen, den Tempel der Sibylle in Tivoli und das Pantheon – auf diesem Blatt noch mit den beiden Glockentürmen aus dem 17. Jahrhundert, die 1883 wieder abgetragen wurden. Drei der Blätter gibt es als 3er-Set „Ansichten von Rom“.

Noch älter ist Matthäus Merians Vogelschau von Münster aus der „Topographia Westphaliae“ von 1647. Weitere historische und moderne Ansichten von Städten und Bauwerken findest du unter Architektur & Stadtansichten.

Botanische Tafeln: Wissenschaft mit Schauwert

Auch Pflanzenillustrationen aus dem 18. und 19. Jahrhundert gehören zu den Vintage-Klassikern. Sie entstanden für wissenschaftliche Prachtwerke, wurden in Kupfer gestochen und vielfach mit dem Pinsel koloriert – etwa die Rosen von Pierre-Joseph Redouté oder die Blumen vor dramatischen Landschaften aus Robert John Thorntons „Temple of Flora“. Eine Auswahl versammelt die Kollektion Botanische Illustrationen.

Auf einen Blick: Gattungen, Zeit und Wirkung

Gattung Zeit Technik Wirkung Rahmen-Tipp
Photochrom um 1890–1910 Fotografie, farbig über Lithografiesteine gedruckt weich, nostalgisch Holzoptik oder Weiß
Belle-Époque-Plakat 1880er–1900 Farblithografie kräftig, bewegt Schwarz
Jugendstil-Blatt um 1895–1905 Farblithografie ornamental, gedeckt Holzoptik oder Schwarz
Vedute 18. Jahrhundert Radierung, Kupferstich schwarz-weiß, dramatisch Schwarz oder Holzoptik
Botanische Tafel 18.–19. Jahrhundert Kupferstich, Punktierstich, handkoloriert zart, hell Weiß oder Holzoptik

So wirken Vintage-Poster in modernen Räumen

  1. Kontrast zulassen. Ein Chéret-Plakat über einem schlichten Sideboard oder eine Piranesi-Radierung über einem modernen Sofa wirken gerade deshalb, weil der Raum nicht historisch ist. Du musst nichts auf „alt“ trimmen.
  2. Ein Thema pro Wand. Mehrere Epochen funktionieren, wenn ein Ort sie verbindet: Piranesis Kolosseum, das Photochrom „Das Kolosseum in Rom“ und ein moderner Rom-Stadtplan erzählen dieselbe Stadt über 250 Jahre.
  3. Farbfamilien bündeln. Schwarz-weiße Radierungen und sepiafarbene Fotografien vertragen sich gut; leuchtende Plakate wirken stärker unter sich als neben zarten Pflanzentafeln.
  4. Größe nach Gattung. Plakate waren für die Fernwirkung gemacht und vertragen 50 × 70 oder 60 × 80 cm. Photochrome und Radierungen leben von Details – sie wirken in 30 × 42 oder 40 × 60 cm, gern als Gruppe, aus der Nähe.
  5. Rahmen ruhig halten. Ein schlichter Rahmen in Schwarz, Weiß oder Holzoptik lässt das alte Motiv sprechen. Eine Rahmenfarbe pro Gruppe hält auch unterschiedliche Gattungen zusammen.

Wie du mehrere Bilder zu einer Wand zusammenstellst, zeigt der Magazinbeitrag Galeriewand in 5 Schritten. Kombinierst du mehrere Motive, greift ab dem zweiten Wandbild im Warenkorb automatisch der Galeriewand-Rabatt von 10 %.

Weiterlesen: Japanische Holzschnitte · Botanische Poster · Poster, Kunstdruck oder Leinwand?

Häufige Fragen

Sind Vintage-Poster Originale?

Meist nicht. Originale aus der Zeit sind Sammlerstücke. Unsere Vintage-Motive sind neue, matte Drucke nach gemeinfreien Vorlagen aus Museen und Archiven – das Motiv ist historisch, das Papier neu.

Was ist ein Photochrom?

Ein Druckverfahren aus den 1880er-Jahren, das Schwarz-Weiß-Fotografien über mehrere Lithografiesteine in farbige Bilder übersetzte. Photochrome waren um 1900 als Reiseansichten beliebt.

Ist Jugendstil dasselbe wie Art nouveau?

Im Kern ja: Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Kunstbewegung um 1900. „Jugendstil“ ist der deutsche Name nach der Münchner Zeitschrift „Jugend“, „Art nouveau“ der französische. Die Ausprägungen unterscheiden sich je nach Land.

Welche Rahmenfarbe passt zu Vintage-Postern?

Schwarz betont kräftige Plakate und Radierungen, Holzoptik unterstreicht warme Sepia- und Photochrom-Töne, Weiß lässt zarte Pflanzentafeln leicht wirken. In einer Gruppe hilft eine einheitliche Rahmenfarbe.